Aktuelle Studienlage zu künstlichen Süßstoffen: Risiken und Auswirkungen

Steigt mit dem Genuss von künstlichen Süßstoffen das Krebsrisiko?

Künstliche Süßstoffe wie Aspartam, Sucralose und Acesulfam gehören zu den häufig verwendeten Inhaltsstoffen in zahlreichen Lebensmitteln und gelten als kalorienarme Alternativen zu Zucker. Ziel einer Studie basierend auf Daten aus der NutriNet-Santé Studie mit über 100.000 Erwachsenen aus einer französischen Kohorte, die über einen Zeitraum von durchschnittlich 7,8 Jahren beobachtet wurden, war es, den Zusammenhang zwischen dem Konsum von künstlichen Süßstoffen (insbesondere Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose) und dem Krebsrisiko zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten, dass ein höherer Konsum von künstlichen Süßstoffen mit einem insgesamt erhöhten Krebsrisiko verbunden war, insbesondere für Brustkrebs und Adipositas-bedingte Krebserkrankungen.¹

Besitzt Sucralose womöglich eine DNA-Gentoxizität?

Eine aktuelle Studie hatte zum Ziel, die toxikologischen und pharmakokinetischen Eigenschaften von Sucralose-6-acetat, einem strukturellen Abbaustoff des künstlichen Süßstoffs Sucralose, zu untersuchen. Amerikanische Forscher haben dabei festgestellt, dass Sucralose oder eines seiner Abbauprodukte unser Erbgut schädigen kann. Insbesondere das Sucralose-6-Acetat stand im Fokus der Untersuchung, da es entsteht, wenn Sucralose im Körper metabolisiert wird.² Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift "The Journal of Toxicology and Environmental Health" veröffentlicht und befassten sich mit den Auswirkungen von Sucralose auf die DNA. Die Resultate legen nahe, dass Sucralose DNA-Schäden verursacht und genotoxisch wirkt und werfen damit ernste Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Sucralose auf.³

Susan Schiffman, PhD, Studienautorin und außerordentliche Professorin in der Abteilung für biomedizinische Technik an der NC State University und der UNC in Chapel Hill, erklärt, dass ihre Forschungen bestätigen, dass Sucralose-6-acetat genotoxisch ist, d. h. die DNA schädigen kann.⁴ In der Praxis konnten Spuren dieser Verbindung in handelsüblicher Sucralose gefunden werden, bevor sie verzehrt und verstoffwechselt wird. Die Auswirkungen dieser Erkenntnis sind erheblich. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für alle genotoxischen Stoffe eine maximale tägliche Aufnahme von 0,15 Mikrogramm pro Person festgelegt. Dr. Schiffman merkt an, dass eine einzige Tagesportion eines mit Sucralose gesüßten Getränks diesen Grenzwert überschreiten könnte, wobei das zusätzliche Sucralose-6-Acetat, das beim Verzehr von Sucralose entsteht, noch nicht einmal berücksichtigt ist. Menschliche Blutzellen, die Sucralose-6-Acetat ausgesetzt waren, wiesen Anzeichen von DNA-Schäden auf, was den genotoxischen Charakter der Verbindung bestätigt.


Wie beeinflussen künstliche Süßstoffe unsere Darmgesundheit?

Es existieren auch Studien, die sich mit dem Einfluss von künstlichen Süßstoffen auf die Darmgesundheit beschäftigen. In einem Beitrag auf unserer Webseite, haben wir bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Aspartam und Sucralose negative Auswirkungen auf das Darmmikrobiom haben können, die mit Veränderungen im Darmmikrobiom einhergehen und zu langfristigen gesundheitlichen Folgen führen können. Der Konsum von chemischen Süßungsmitteln, die in vielen Softgetränken enthalten sind, schädigt das Darmmikrobiom. Eine Studie an der Anglia Ruskin Universität in Cambridge hat gezeigt, dass Süßstoffe wie Aspartam, Saccharin und Sucralose gesunde Darmbakterien krank machen können und in die Darmwand eindringen. Bestimmte pathogene Bakterien, die durch Süßstoffe unterstützt werden, können die Darmwand überwinden und sich in anderen Organen ansammeln, was im Ernstfall zu Infektionen und möglicherweise Organversagen führen kann. Bereits der Konsum von zwei Dosen Süßstoff-Limonade täglich erhöht das Risiko einer Schädigung der Darmflora. Mehr dazu unter: "Gefahr durch Süßstoff: Angriff auf unser Darm-Mikrobiom."

Schiffman, die gemeinsam mit ihrem Team die Studie „Toxicological and pharmacokinetic properties of sucralose-6-acetate and its parent sucralose „veröffentlichte, betont dass Sucralose und ihr Metabolit einen "undichten Darm" hervorrufen können, einen Zustand, der es potenziell schädlichen Substanzen ermöglicht, in den Blutkreislauf zu gelangen. Darüber hinaus veränderte sich die Genaktivität in Darmzellen als Reaktion auf Sucralose-6-Acetat, wobei eine Zunahme der Genaktivität mit oxidativem Stress, Entzündungen und Karzinogenität in Verbindung gebracht wurde. Da sich die Beweise gegen Sucralose und ihre Metaboliten häufen, schlägt Schiffman vor, die Sicherheitsvorschriften für Sucralose neu zu bewerten. Sie rät den Menschen, sucralosehaltige Produkte zu meiden und betont, wie wichtig es ist, darauf zu achten, was man konsumiert.


Gibt es einen Zusammenhang mit Diabetes und Insulinresistenz?

Ein Medizinreport, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt, setzt sich mit künstlichen Süßstoffen und einer Insulinreststenz auseinander. Dr. Kristina Rother, eine Expertin für Süßstoffe, betont, dass das Thema der metabolischen Sicherheit einen hohen Diskussionsbedarf hat. Es gibt Hinweise darauf, dass Süßstoffe Insulinresistenz begünstigen, was durch verschiedene Studien an übergewichtigen und normalgewichtigen Probanden gezeigt wurde. Möglicherweise liegt die Ursache für diese Effekte im Mikrobiom, da bestimmte Süßstoffe die Zusammensetzung der Darmflora verändern können. Tierstudien zeigen, dass Süßstoffe mit einem weniger vielfältigen Mikrobiom in Verbindung stehen. Dabei scheinen die Süßstoffe die Inkretinsekretion (Freisetzung bestimmter Hormone im Verdauungstrakt, die für eine erhöhte Ausschüttung von Insulin verantwortlich sind) zu begünstigen und den Stoffwechsel und das Essverhalten negativ zu beeinflussen. Epidemiologische Studien zeigen eine Assoziation zwischen dem Konsum von süßstoffhaltigen Getränken und Übergewicht sowie Diabetes.⁵

Studienupdate: Diabetes-Risiko durch künstliche Süßstoffe

Aktuelle Forschungsergebnisse aus der NutriNet-Santé-Studie in Frankreich werfen ein kritisches Licht auf den Konsum künstlicher Süßstoffe und dessen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes. Die Studie, die über 105.000 Teilnehmer einschloss und eine mediane Nachbeobachtungszeit von 9,1 Jahren umfasst, offenbarte, dass ein höherer Konsum von künstlichen Süßstoffen, insbesondere Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose, mit einem signifikant erhöhten Diabetesrisiko verbunden ist [Deb 2023]. Diese Ergebnisse stützen die wachsende Evidenz, dass künstliche Süßstoffe möglicherweise nicht die risikofreie Alternative zu Zucker darstellen, als die sie oft beworben werden.

Die Studie verweist auf mehrere Mechanismen, die das erhöhte Diabetesrisiko erklären könnten:

Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels: Künstliche Süßstoffe könnten die Sensitivität der Betazellen der Bauchspeicheldrüse und die Insulinsekretion beeinträchtigen. Dies könnte zu einer gestörten Glukoseregulation führen.
Adipogenese und Lipolyse: Künstliche Süßstoffe könnten an der Zunahme der Fettbildung (Adipogenese) und einer verringerten Fettspaltung (Lipolyse) beteiligt sein. Diese Veränderungen können zu einer ungünstigen Körperzusammensetzung und Insulinresistenz führen.
Prooxidative Umgebung: Es wird vermutet, dass Süßstoffe eine prooxidative Umgebung fördern können, die oxidative Stressreaktionen im Körper verstärkt. Solche Reaktionen können zelluläre Schäden verursachen, die zur Beeinträchtigung der normalen Stoffwechselfunktionen beitragen.
Beeinflussung des Darmmikrobioms: Künstliche Süßstoffe können das Gleichgewicht und die Funktion des Darmmikrobioms negativ beeinflussen. Eine Veränderung des Darmmikrobioms kann zu einer Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels führen.
Stammzelldifferenzierung im Fettgewebe: Künstliche Süßstoffe könnten auch die Differenzierung von Stammzellen im Fettgewebe beeinflussen, was zu einer ungünstigen Fettverteilung und möglicherweise zu Stoffwechselstörungen führt.

Diese Mechanismen verdeutlichen die Komplexität der Auswirkungen künstlicher Süßstoffe auf den menschlichen Körper und unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung, um diese Zusammenhänge vollständig zu verstehen und entsprechende Ernährungsempfehlungen anzupassen.
Die Praxisrelevanz dieser Erkenntnisse liegt indes auf der Hand: Die weitverbreitete Verwendung von künstlichen Süßstoffen in tausenden von Lebensmitteln und Getränken, die täglich von Millionen konsumiert werden, könnte langfristig gesundheitsschädliche Auswirkungen haben.


Warum rät die WHO von Süßstoffen zur Gewichtskontrolle ab?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt in einer neuen WHO-Richtlinie⁶, zuckerfreie Süßstoffe nicht als Mittel zur Gewichtskontrolle einzusetzen. Laut der Richtlinie haben Süßstoffe nicht den gewünschten Effekt auf die Gewichtsabnahme und können sogar das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten erhöhen. Dabei stützen sich die Aussagen unter anderem auf eine Studie, die untersuchte, ob künstliche Süßstoffe einen Einfluss auf die Gewichtsabnahme haben. Eine Meta-Analyse, veröffentlicht im British Medical Journal, kam zu dem Schluss, dass der Konsum von künstlichen Süßstoffen im Vergleich zu Zucker keinen signifikanten Vorteil bei der Gewichtsreduktion bietet. Eine andere Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift Obesity Reviews, ergab, dass der Verzehr von künstlichen Süßstoffen mit einem erhöhten Risiko für Gewichtszunahme, Adipositas und metabolische Störungen in Verbindung steht.⁸

 

WHO stuft Aspartam als „möglicherweise krebserregend“ ein

Die Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) plante den Süßstoff Aspartam als "möglicherweise krebserregend" einzustufen. Dies geht aus Berichten von Reuters hervor, die sich auf Insiderinformationen berufen.⁹ Die endgültige Entscheidung wurde nun bekanntgegeben, nachdem externe Experten der Gruppe Anfang Juli 2023 getagt hatten. Aspartam ist ein kalorienarmes Süßungsmittel, das in Europa als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen ist und in verschiedenen Produkten wie Getränken, Desserts, Süßwaren, Milchprodukten, Kaugummis und kalorienreduzierten Produkten verwendet wird. Trotz der neuen Einstufung als „möglicherweise krebserregend“ wird durch die WHO unverändert eine tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) von bis zu 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich deklariert. Um diese Menge ins Verhältnis zu setzen: Ein Liter Cola light enthält bereits rund 130 Milligramm Aspartam.¹⁰

 

Fazit: Gänzlich auf Süßmittel verzichten?

Aktuelle Studien legen nahe, dass der hohe Konsum von künstlichen Süßstoffen, wie Aspartam und Acesulfam, mit einem erhöhten Krebsrisiko, insbesondere für Brustkrebs, in Verbindung steht. Zudem zeigen Untersuchungen, dass Sucralose DNA-Schäden verursachen und genotoxisch wirkt. Auch die Darmgesundheit kann unter dem Konsum von künstlichen Süßstoffen leiden. Studien haben gezeigt, dass Süßstoffe wie Aspartam, Saccharin und Sucralose negative Auswirkungen auf das Darmmikrobiom haben und zu Veränderungen führen können, die langfristige Folgen für die Gesundheit haben. Angesichts dieser Erkenntnisse raten wir, auf künstliche Süßmittel zu verzichten und stattdessen natürliche Zuckeralternativen wie Tagatose, Galactose, Ribose, Isomaltulose, Trehalose, Allulose, Erythrit und Xylit zu verwenden. Diese bieten nicht nur die gewünschte Süße, sondern sind auch gesünder. Natürliche Zuckeralternativen, die aus Pflanzen gewonnen werden, sind zahnfreundlich, beeinflussen den Blutzuckerspiegel weniger stark und tragen nicht zur Kariesbildung bei.
Viele wertvolle Informationen dazu finden Sie hier: Top 9 Zuckeralternativen: Für ein gesundes Leben mit Süße. Unsere Favoriten auf einen Blick!

 

Rechtlicher Hinweis:

Dieser Artikel wurde von uns ausschließlich zur Information verfasst und gibt Hinweise zu unterstützenden Maßnahmen, wie sie aktuell in der Medizin diskutiert werden. In jedem Fall sollten alle Maßnahmen mit dem behandelnden Arzt bzw. Therapeuten abgesprochen werden. Ein guter Allgemein- und Ernährungsstatus kann dem Organismus helfen, Erkrankungen vorzubeugen oder diese zu überwinden. Alle zu den Stoffen getroffenen Aussagen beschreiben Eigenschaften und physiologische Wirkungen, die bei Konsumenten natürlicherweise unterschiedlich ausfallen können und stellen keine Heil- oder Gesundheitsversprechen dar.

Quellen:
¹Vgl. PLOS Medicine. "Sugar-sweetened beverages, artificially sweetened beverages, and cancer risk: Long-term observational studies." Verfügbar unter: https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1003950
²Vgl. „Toxicological and pharmacokinetic properties of sucralose-6-acetate and its parent sucralose: in vitro screening assays“ (Journal of Toxicology and Environmental Health, Mai 2023)
³„Toxicological and pharmacokinetic properties of sucralose-6-acetate and its parent sucralose: in vitro screening assays“ (Journal of Toxicology and Environmental Health, Mai 2023)
⁴Vgl. Toxicological and pharmacokinetic properties of sucralose-6-acetate and its parent sucralose: in vitro screening assays, Toxicol Environ Health B Crit Rev. 2023 May 29;1-35., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37246822/, 2023
⁵Vgl. Deutsches Ärzteblatt. "Zuckerersatz und Insulinresistenz: Süßstoffe als Stoffwechselrisiko." Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/203793/Zuckerersatz-und-Insulinresistenz-Suessstoffe-als-Stoffwechselrisiko

⁶Vgl. WHO: "Use of non-sugar sweeteners: WHO guideline", https://www.who.int/publications/i/item/9789240073616, Mai 2023
Vgl. British Medical Journal. "Non-nutritive sweeteners and health outcomes: systematic review and meta-analyses of randomised and non-randomised controlled trials and observational studies." Verfügbar unter: https://www.bmj.com/content/364/bmj.k4718
Vgl. Obesity Reviews. "Consumption of low-calorie sweeteners and risk of overweight and obesity: a meta-analysis of prospective cohort studies." Verfügbar unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/obr.12744
Vgl. Reuters Exclusive: WHO's cancer research agency to say aspartame sweetener a possible carcinogen -sources, https://www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/whos-cancer-research-agency-say-aspartame-sweetener-possible-carcinogen-sources-2023-06-29/, Juni 2023
¹⁰Süßstoff: Aspartam ist "möglicherweise krebserregend" | tagesschau.de, 2023
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