Lässt ein Morgenspaziergang die Pfunde purzeln?

Rund um das Thema Übergewicht wird so viel geforscht, dass Wissenschaftler zum Teil kurios anmutende Zusammenhänge ans Tageslicht befördern. Im Falle eines Experiments an der Northwestern University in Chicago könnte man das geradezu wörtlich nehmen. Wie die Initiatoren der Studie erkannt haben wollen, sollen Outdoor-Aktivitäten am Morgen helfen, überflüssige Pfunde schmelzen zu lassen. Ausschlaggebend für den sinkenden BMI wären laut den Autoren aber weder die Bewegungs- noch die Lichtintensität, sondern schlichtweg der Aufenthalt unter freiem Himmel zwischen 8 und 12 Uhr vormittags. Nachdem es bereits stichhaltige Hinweise gibt, dass auch unsere Schlafdauer und der zirkadiane Rhythmus einen Einfluss auf unser Gewicht ausüben, wollten es die Wissenschaftler noch etwas genauer wissen. Sie statteten zu verschiedenen Jahreszeiten 57 Personen für eine Woche mit einem Aktometer aus, einem Sensor für das Handgelenk, der die Lichtintensität der Umgebung sowie indirekt über das Bewegungsmuster die Schlafdauer ermittelt. Zusätzlich führten alle Teilnehmer ausführliche Ernährungsprotokolle. Das Ergebnis mag verblüffen. Unabhängig der Bewegungsintensität, der Kalorienaufnahme, der Schlafdauer und der Jahreszeit wiesen Personen, die sich bereits in der Morgensonne draußen aufhielten einen niedrigeren BMI auf als die, die sich erst später am Tag an der frischen Luft bewegten. Je früher sie das Haus verließen, umso niedriger war der BMI. Laut den Berechnungen der Autoren beeinflusst dieser Faktor den BMI um etwa 20%. Demnach könnte die Tageszeit, an der wir uns längere Zeit außer Haus aufhalten darüber entscheiden, ob jemand einen BMI von 20 oder 25 kg/m2 aufweist. Verwunderlich wäre dies laut den Schlussfolgerungen der Autoren nicht. Licht ist der wichtigste Taktgeber für die innere Uhr, die maßgeblich auch an der Regulation der Energiebilanz beteiligt ist. Besonders blaues Licht, dessen Anteil in der Vormittagssonne am höchsten ist, wirkt sich stark auf den zirkadianen Rhythmus aus und sorgt dafür, dass der Körper in die Gänge kommt. Wer sich für wenigstens 20 bis 30 Minuten zwischen Sonnenaufgang und Mittag unter freiem Himmel bewegt, hält sein Gewicht besser in Zaum bzw. kann eine nötige Gewichtsreduktion unterstützen, so die Autoren. Die meisten Menschen verlassen zwar - gerade berufsbedingt – bereits vor dem Mittag das Haus. Doch auf dem Weg zur Arbeit sitzen viele im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln und verbringen die anschließenden Stunden in künstlichem Licht. Die Zeit, die zahlreiche Personen tatsächlich dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, ist verhältnismäßig gering. Dabei kann selbst eine grelle Deckenlampe nicht einmal an einem bewölkten Tag mit der Lichtintensität der Sonne mithalten.

Um herauszufinden, ob dieser Effekt Übergewichtsgeplagte tatsächlich beim Abnehmen unterstützt, hilft wohl nur eins: einfach ausprobieren. Ein kleiner Spaziergang vor der Arbeit ist sicher ebenso wenig verkehrt, wie 20 Minuten seiner Frühstückspause für eine kurze Runde um den Häuserblock zu nutzen. Zudem dürfte es auch effektiver sein, seine Joggingtour vom Abend in die Morgenstunden zu verlegen.

Quelle: Reid KJ et al.: Timing and intensity of light correlate with body weight in adults. PLoS One; 9(4):e92251: 2014 [Abstract]

Mit freundlicher Erlaubnis übernommen aus dem FET-Mitgliedernewsletter April 2014 > Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.  www.fet-ev.eu 

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