Polyphenole: geballte Pflanzenkraft für Gesundheit & Wohlbefinden
Beeren, Trauben, grüner Tee, Kräuter, Nüsse und Kakao bestechen nicht nur durch ihren intensiven Geschmack, sondern sind zudem reich an sogenannten Polyphenolen, die biologisch gesehen wahre Multitalente sind. Aber was hat es mit diesen geheimnisvollen Pflanzenstoffen auf sich, von denen man immer wieder als Antioxidantien hört? Und wie tragen sie zu unserem Wohlbefinden bei? In diesem Artikel erfährst Du leicht verständlich, was Polyphenole sind, wie sie wirken und welche potentiellen Gesundheitsvorteile sie bieten können; von Herz und Gehirn bis zum Darm und Immunsystem.
Das Wichtigste über Polyphenole auf einen Blick
Polyphenole gehören zur großen Familie der sekundären Pflanzenstoffe. Das bedeutet: Sie werden von Pflanzen hergestellt, sind aber nicht direkt am Wachstum oder an der Fortpflanzung beteiligt. Stattdessen dienen sie der Pflanze als natürliche Abwehr, zum Beispiel gegen Fressfeinde, UV-Strahlung oder Krankheiten. Wenn wir polyphenolreiche Lebensmittel essen, kommen wir in den Genuss dieser Pflanzenkraft. Polyphenole wirken im Körper als Antioxidantien und Entzündungshemmer und können so unsere Zellen schützen. Sie beeinflussen sogar unseren Stoffwechsel und das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Darmbakterien. Kein Wunder, dass Forschungsteams weltweit die gesundheitlichen Vorteile von Polyphenolen untersuchen. Hier die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
- Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe: Sie kommen beispielsweise in Obst, Gemüse, Tee, Kaffee und Kakao vor und dienen der Pflanze als Schutzstoffe. Für uns sind sie wertvolle Antioxidantien und gesundheitsfördernde Bioaktivstoffe.
- Antioxidativer Zellschutz: Polyphenole fangen freie Radikale ab und schützen so unsere Zellen vor oxidativem Stress. Das kann dem Organismus dabei unterstützen, Alterungsprozesse zu verlangsamen und chronischen Krankheiten vorzubeugen.
- Flavonoide und nicht‑flavonoide Phenole: Polyphenole gliedern sich in zwei große Familien: Flavonoide (z.B. Anthocyane, Catechine, Quercetin) und nicht‑flavonoide Phenole (z.B. Phenolsäuren, Stilbene wie Resveratrol).
- Entzündungshemmend & immunmodulierend: Viele Polyphenole wirken entzündungshemmend und unterstützen das Immunsystem.
- Vielfältige Gesundheitsvorteile: Zahlreiche Studien liefern Hinweise auf breite gesundheitliche Vorteile, die das Herz-Kreislauf-System, das Gehirn, das Darmmikrobiom sowie das Immunsystem umfassen.
- Polyphenolreiche Ernährung wie die mediterrane Kost wurde in Studien mit einem allgemein geringerem Krankheitsrisiko in Verbindung gebracht
- Einfache Integration & Ergänzung: Polyphenole können leicht über die Ernährung aufgenommen werden. Beeren, Gemüse, Kräuter, Gewürze, Tee, Kaffee und dunkle Schokolade liefern bereits eine breite Palette. Wer regelmäßig ein größeres Spektrum abdecken möchte, kann einen guten Polyphenol-Mix (breites Spektrum) als Nahrungsergänzung in Erwägung ziehen.
Was sind Polyphenole und sekundäre Pflanzenstoffe?
Polyphenole sind eine Klasse von sekundären Pflanzenstoffen. Dabei handelt es sich um bioaktive Verbindungen, die in Pflanzen vorkommen. Sie bilden eine riesige Familie von mehr als 8.000 natürlich vorkommenden Verbindungen und zählen nicht zu den klassischen Nährstoffen wie Vitamine oder Mineralstoffe. Der Begriff Polyphenole bezieht sich auf ihre chemische Struktur: es sind Moleküle mit wiederkehrenden Struktureinheiten, die als Phenole bezeichnet werden. Weitaus wichtiger als die Chemie sind jedoch ihre erstaunlichen Wirkungen im Organismus. Für den Menschen fungieren Polyphenole als Nährstoffe, die zwar nicht lebensnotwendig wie Vitamine sind, aber spürbare Vorteile bieten, insbesondere beim Zellschutz.
Eine grobe Unterteilung erfolgt in Flavonoide, Phenolsäuren, Stilbene, Lignane und einige weitere Untergruppen. Unter diesen sind die Flavonoide die größte und bekannteste Gruppe, zu der beispielsweise Quercetin (in Äpfeln, Zwiebeln), Catechine (in grünem Tee, Kakao) oder Anthocyane (die violett-roten Farbstoffe in Beeren und Kirschen) gehören. Daneben gibt es Stilbene wie Resveratrol (bekannt aus roten Weintrauben und Rotwein) und Phenolsäuren wie Chlorogensäure (z.B. in Kaffee). Auch in Gewürzen finden sich potente Polyphenole, wie beispielsweise Curcumin in Kurkuma oder Oleuropein in Oliven. Auch wenn Polyphenole keine Vitamine sind, können sie einen bislang unterschätzten Beitrag zu unserer Gesundheit leisten. So werden ihnen antioxidative, entzündungshemmende, cholesterinsenkende oder immunmodulierende Wirkungen zugeschrieben.
Wirkweise: Antioxidativer Schutz, Entzündungsbalance, Stoffwechsel & Mikrobiom
Eines der bekanntesten Schlagworte im Zusammenhang mit Polyphenolen ist „Antioxidantien“. Aber was bedeutet das genau? Im Körper entstehen durch Stress, Umweltgifte oder einfach den normalen Stoffwechsel ständig sogenannte freie Radikale. Das sind aggressive Moleküle, die unsere Zellen angreifen können. Zu viele freie Radikale führen zu oxidativem Stress, der Alterungsprozesse beschleunigt und diverse chronische Krankheiten begünstigt. Polyphenole können diese freien Radikale neutralisieren, noch bevor Schaden entsteht. Bildlich gesprochen wirken Polyphenole wie ein Schutzschild für unsere Zellen. Chemisch gesehen spenden sie den Radikalen ein Elektron und machen sie damit unschädlich. Dadurch erleiden die Zellen weniger Schäden und es besteht ein insgesamt geringeres Entzündungsniveau im Körper.
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Entzündungshemmung und Immunbalance
Chronische Entzündungen sind ein Feind unserer Gesundheit: Sie spielen eine Rolle bei vielen Zivilisationskrankheiten, wie z.B. bei Diabetes, Gelenkbeschwerden und Herzkrankheiten, indem sie auf Dauer das Immunsystem schwächen. Polyphenole können dazu beitragen, diese schwelenden Entzündungen in Schach zu halten. Viele Vertreter wirken entzündungshemmend, indem sie bestimmte Signalwege in unserem Körper beeinflussen. Zum Beispiel hemmt Quercetin die Enzyme COX-2 und 5-LOX, die an der Bildung entzündlicher Botenstoffe beteiligt sind. Auch Anthocyane aus Beeren senken die Aktivität des pro-inflammatorischen NF-κB-Signalwegs. Polyphenole tragen dazu bei, die Entzündungsreaktion in Balance zu halten. Eine Überreaktion des Immunsystems wird gedämpft, ohne dass die normale Abwehr geschwächt wird. Einige Polyphenole haben sogar immunmodulierende Eigenschaften, d.h. sie unterstützen eine gesunde Immunreaktion. Quercetin etwa hemmte in Laborstudien (siehe: https://doi.org/10.3390/ph16071020) die Vermehrung verschiedener Viren. Polyphenole gelten somit als natürliche Helfer des Immunsystems, die Entzündungen bremsen und die Abwehr optimieren.
Positive Effekte auf den Stoffwechsel
Eine weitere spannende Wirkweise: Polyphenole greifen an verschiedenen Stellen in den Stoffwechsel ein. So fördern sie beispielsweise einen gesunden Glukose- und Fettstoffwechsel. Einige Polyphenole können die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin verbessern und helfen dadurch, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Flavonoide wie Quercetin oder Kaempferol konnten in Experimenten die Aufnahme von Glukose in die Zellen erhöhen sowie den Zuckerabbau in der Leber unterstützen. Gleichzeitig zeigen sie cholesterinsenkende Effekte, indem sie die Oxidation von LDL-Cholesterin verhindern. Oxidiertes LDL gilt wiederum als Risikofaktor für Arterienverkalkung.
Für Menschen mit Metabolischem Syndrom oder Diabetes könnten Polyphenole besonders interessant sein. Studien legen nahe, dass ausreichende Mengen an Polyphenolen Entzündungsmarker senken, die Endothelfunktion verbessern und insgesamt die Insulinresistenz verringern. Einfach ausgedrückt: Polyphenole „ölen“ den Stoffwechsel, sodass Prozesse wie Blutzuckerregulation und Fettverbrennung besser ablaufen. Natürlich ersetzen sie keine gesunde Ernährung oder Bewegung, aber sie erklären zum Teil, warum Obst, Gemüse, Tee & Co. so förderlich für unseren Stoffwechsel sind.
Einfluss auf das Mikrobiom (Darmflora)
Polyphenole dienen nicht nur uns als Nährstoff, sondern auch unseren Darmbakterien. Viele Polyphenole werden im Dünndarm nicht vollständig aufgenommen und gelangen in den Dickdarm. Dort dienen sie bestimmten nützlichen Darmbakterien als Nahrung, das heißt, sie wirken präbiotisch. Dieser Prozess trägt dazu bei, dass sich die Darmflora in Richtung einer gesünderen Zusammensetzung verschiebt und potenziell schädliche Bakterien zurückgedrängt werden können. So fördert eine polyphenolreiche Kost vermehrt Bifido- und Laktobazillen, die als „gute“ Bakterien gelten, da sie zur Gesundheit des Darms beitragen.
Ein gesundes Mikrobiom hat vielfältige positive Effekte auf unsere Gesundheit, darunter bessere Verdauung, ein stärkeres Immunsystem bis hin zur besseren Stimmung. Polyphenole tragen dazu bei, dieses bakterielle Ökosystem in Balance zu halten, wie erst kürzlich eine Untersuchung zeigte (siehe: https://doi.org/10.3390/ijms26031335). Ein Beispiel: Grüntee-Polyphenole können im Darm antientzündlich wirken und wurden erfolgreich bei Darmentzündungen (z.B. Colitis) getestet. Auch Granatapfel-Polyphenole werden im Darm zu aktiven Metaboliten umgewandelt, die die Darmbarriere stärken und vor schädlichen Keimen schützen. Wer also viele pflanzliche Lebensmittel isst, tut nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Milliarden Mitbewohnern im Darm etwas Gutes.
Herz-Kreislauf-System stärken
Eine Ernährung reich an Polyphenolen kann auch zum Schutz von Herz und Gefäßen beitragen. In großen Bevölkerungsstudien zeigte sich, dass Menschen mit hoher Flavonoid-Zufuhr ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Eine Meta-Analyse von 15 Langzeitstudien (siehe: https://doi.org/10.1016/j.clnesp.2017.03.004) ergab z.B., dass eine hohe Aufnahme von Flavonoiden mit rund 14 % niedrigerer Sterblichkeit durch Herzkrankheiten einherging. Die Forschenden vermuten, dass dieser Effekt auf die vielschichtige Wirkungsweise der Polyphenole zurückzuführen ist. Sie verbessern die Gefäßfunktion, können leicht zur Senkung des Blutdrucks beitragen und helfen, den Cholesterinspiegel im Lot zu halten. Zusätzlich wirkt der antioxidative Effekt: Polyphenole schützen das LDL-Cholesterin vor Oxidation, wodurch sich weniger atherosklerotischer Plaque bildet. Als förderlich für die Herzgesundheit gelten Polyphenole aus Beeren, Kakao, Weintrauben, grünem Tee und Olivenöl.
Gehirn & kognitive Funktionen
Polyphenole sind gewissermaßen auch Brainfood. Vor allem dunkle Beeren wie Heidelbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren stehen im Ruf, gut für das Gehirn zu sein. Sie enthalten reichlich Anthocyane, die die Blut-Hirn-Schranke passieren und einen Neuronen-schützenden Effekt entfalten können. Untersuchungen (siehe: https://doi.org/10.1002/ana.23594) deuten darauf hin, dass Anthocyane die Gedächtnisleistung verbessern. Darüber hinaus wirken Polyphenole im Gehirn entzündungshemmend und könnten so neurodegenerativen Prozessen entgegenwirken. Chronische Entzündungen und oxidativer Stress tragen mit zur Entstehung von Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson bei. Polyphenole wie beispielsweise Resveratrol aus Weintrauben oder Epigallocatechingallat (EGCG) aus Grüntee werden intensiv daraufhin erforscht, ob sie das Fortschreiten solcher Erkrankungen verlangsamen können.
Immunsystem & Abwehrkräfte
Das Immunsystem ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Zellen und Signalstoffe. Polyphenole können helfen, dieses Zusammenspiel zu harmonisieren. Denn einerseits schützen sie Immunzellen vor oxidativen Schäden, was besonders wichtig ist, da Immunzellen in Entzündungsherden vielen Radikalen ausgesetzt sind. Andererseits regulieren sie die Aktivität von Immunzellen. So können bestimmte Polyphenole eine übersteigerte Abwehrreaktion dämpfen, was nützlich bei Allergien oder Autoimmunprozessen sein könnte.
Ein bekanntes Beispiel hierzu ist Quercetin, ein Flavonoid aus Obst und Gemüse. Es hemmt die Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie TNF-α und Interleukinen und stabilisiert die Mastzellen, wodurch weniger Histamin ausgeschüttet wird. Damit kann Quercetin allergische Reaktionen mildern (z.B. bei Heuschnupfen), weswegen es in manchen natürlichen Allergiepräparaten enthalten ist.
Einige Polyphenole, beispielsweise die Proanthocyanidine aus Holunderbeeren oder Cranberry, werden traditionell zur Stärkung der Abwehr eingesetzt. Holunderbeeren-Extrakt ist ein beliebtes Hausmittel bei Erkältungen. Cranberry-Polyphenole sind bekannt dafür, Bakterien im Harntrakt an der Anhaftung zu hindern, was bei wiederkehrenden Blasenentzündungen helfen kann.
Hinweis: Die genannten gesundheitlichen Wirkungen sind durch Studien indiziert, aber die Forschung läuft noch. Polyphenole sind keine Medikamente. Sie unterstützen die Gesundheit im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung.
Lebensmittelquellen für Polyphenole
Welche Nahrungsmittel liefern besonders viele Polyphenole? Die Faustregel lautet: Je bunter, desto besser („eat the rainbow“). Polyphenole stecken vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln. Oft sind sie sogar die Farbstoffe oder Aromastoffe darin. Hier eine praktische Übersicht, in welchen Gruppen von Lebensmitteln wichtige Polyphenole enthalten sind:
- Beeren & rote Früchte: Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Holunder, Kirschen, rote Trauben (Aronia, Johannisbeere, Weintrauben)
- Tee: Grüner Tee (Matcha, Sencha: reich an Catechinen), Weißer Tee, Schwarzer Tee, Oolong
- Kakao & dunkle Schokolade: Kakaopulver, Bitterschokolade (hoher Kakaoanteil >70 %), ungesüßte Kakao-Nibs
- Obst & Gemüse: Äpfel (Quercetin v.a. in der Schale), Zwiebeln (besonders rote), Rotkohl, Aubergine (violette Schale), Granatapfel, Zitrusfrüchte (vor allem Schale/weiße Häutchen), dunkle Trauben, Oliven
- Kräuter & Gewürze: Kurkuma (Curcumin), Zimt (Polyphenole hochkonzentriert), Oregano, Thymian, Rosmarin, Petersilie, Nelken (sehr hoher Polyphenolgehalt),
- Weitere polyphenolhaltige Lebensmittel: Kaffee (Chlorogensäuren), Rotwein (Resveratrol)
Alltagsintegration: Smoothie, Tee & Porridge
Theorie ist schön und gut, aber wie bekommst Du nun praktisch mehr Polyphenole auf den Speiseplan? Hier ein paar Anregungen, wie du mit Smoothies, Tee und Porridge täglich von der Pflanzenkraft profitieren kannst.
Polyphenol-Smoothie
Kaum etwas liefert mehr Polyphenole als ein Smoothie voller Beeren und Gemüse. Ein Beispielrezept:
- Gib eine Tasse gemischte Bio-Beeren in den Mixer (z.B. Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren; frisch oder TK). Diese liefern Anthocyane und Flavonoide.
- Füge eine Handvoll Bio-Spinat oder anderes grünes Blattgemüse hinzu. Keine Sorge, im Smoothie schmeckt man das kaum, aber es bringt zusätzliche Polyphenole und Nährstoffe.
- Gieße ca. 200 ml Flüssigkeit dazu. Ideal ist abgekühlter grüner Tee oder Hibiskustee, um noch mehr Antioxidantien reinzubekommen. Alternativ geht auch Wasser oder Hafermilch. Für extra Cremigkeit kannst du 1/2 Banane oder etwas Avocado ergänzen.
- Jetzt kommt ein Teelöffel Kakaopulver (ungesüßt) für Flavanole hinein. Wer mag, gibt auch eine Prise Zimt oder Kurkuma dazu. Das erhöht den Polyphenolgehalt weiter und gibt einen spannenden Geschmack. Ein kleines Stück Ingwer passt ebenfalls.
- Alles im Hochleistungsmixer gut durchmixen, bis der Smoothie cremig ist. In ein Glas füllen und am besten gleich frisch genießen, um die Vitamine und Polyphenole optimal aufzunehmen.
Tee-Zeit: Antioxidantien in der Tasse
Eine der einfachsten Gewohnheiten für mehr Polyphenole ist das Trinken von Tee. Sowohl grüner Tee als auch schwarzer Tee sind reich an wertvollen Polyphenolen. Grüntee liefert Catechine (allen voran EGCG), die antioxidativ und stoffwechselanregend wirken. Schwarzer Tee enthält Tannine, die ebenfalls antioxidativ sind und z.B. gut für die Darmgesundheit sein können.
Gut zu wissen: Tee lieber zwischen den Mahlzeiten trinken. Grund ist, dass die Polyphenole in Tee (und Kaffee) die Eisenaufnahme aus der Nahrung hemmen können. Wenn du also ein eisenreiches Mittagessen hattest (z.B. Linsen, Fleisch oder grünes Gemüse), warte ein Stündchen, bevor du Tee trinkst. Dann holst du das Beste aus den Nährstoffen und Polyphenolen heraus. Vor allem bei den Tees immer auf gute Bio-Ware achten, Tee ist häufig mit diversen Toxinen belastet.
Porridge & Co.: Frühstück mit Pflanzenpower
Gerade das Frühstück bietet viele Gelegenheiten, Polyphenole einzubauen. Der Klassiker: Haferflocken-Porridge mit Bio-Beeren. Hafer an sich enthält zwar auch sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. Avenanthramide), aber spannender wird es mit Toppings: frische Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren oder eine Beerenmischung aus dem Tiefkühler, zusätzlich ein paar Stücke Dunkelschokolade (70%+) oder einen Löffel Kakaonibs und ein paar gehackte Walnüsse oder Mandeln. So wird aus dem einfachen Haferbrei ein polyphenolreiches Geschmackserlebnis.
Auch beliebt: Goldene Milk Overnight Oats. Dabei kombinierst Du Haferflocken mit Kurkuma, Zimt und Ingwer, etwas Pfeffer, Milch oder Hafermilch. Alles über Nacht ziehen lassen. Morgens hast Du einen würzigen und polyphenolreichen Haferbrei. Frische Mango-Stückchen oder Apfelwürfel oben drauf, und Du startest exotisch-gesund in den Tag.
Und falls Dir Porridge nicht liegt: Wie wäre es mit einem Joghurt mit Beeren und Zimt? Oder einem Vollkornbrot mit Hibiskus-Aufstrich (einfach Hibiskus-Tee mit Chiasamen aufkochen; ergibt eine streichfeste geléeartige Masse, die voll mit Anthocyanen ist). Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.
Polyphenole als Nahrungsergänzung
Trotz einer noch so guten Ernährung gibt es Zeiten, in denen man die Aufnahme von Polyphenolen konzentriert erhöhen möchte, sei es aus Bequemlichkeit, zur Unterstützung in stressigen Phasen oder weil man bestimmte Extrakte gezielt einsetzen will. Auch ist das Spektrum der Polyphenole sehr groß und es kann durchaus eine Herausforderung darstellen, die wichtigsten Sorten regelmäßig über die Ernährung abzudecken. Hier kommen Nahrungsergänzungsmittel in Frage, die gezielt auf einen Polyphenol-Mix setzen. Dabei sollte jedoch stets bedacht werden, dass Ergänzungen keinen Ersatz für Obst und Gemüse, bzw. eine gesunde Ernährung darstellen.
Grenzen & Sicherheit
So gesund Polyphenole auch sind, man sollte einige Hinweise zur Verträglichkeit und Anwendung beachten:
- Keine Wunderheilmittel: Polyphenole können Gesundheitsprozesse positiv beeinflussen, heilen aber keine Krankheiten und ersetzen keine Medikamente: Verlass Dich nicht ausschließlich auf einen hohen Beerenkonsum oder ein Supplement, wenn medizinische Behandlung notwendig ist. Sie sind ein Baustein der Prävention und Unterstützung, können aber keine Arzneimittel oder eine gesunde Lebensweise ersetzen.
- Verträglichkeit: In Lebensmitteln sind Polyphenole in der Regel sehr gut verträglich. Wer allerdings plötzlich extrem viel rohes Gemüse, Obst oder Gewürze zu sich nimmt, kann anfangs mal mit Verdauungsbeschwerden und Blähungen reagieren. Das liegt meist an den Ballaststoffen und ist in der Regel nur vorübergehend. Bitterstoffe in Polyphenol-reichen Getränken (grüner Tee, schwarzer Tee) können bei empfindlichen Personen leichte Magenreizung verursachen. Hochdosierte Extrakte (z.B. Grüntee-Extrakt in Pillenform) führen in seltenen Fällen zu Übelkeit oder bei unsachgemäßer Dosierung sogar zu Leberschäden. Daher Maß halten und hochwertige Produkte wählen.
- Wechselwirkungen: Polyphenole können mit Nährstoffen und Medikamenten interagieren. Ein bekanntes Beispiel ist, dass Tee und Kaffee die Eisenaufnahme hemmen. Auch Grapefruit-Polyphenole können bestimmte Medikamente beeinflussen, indem sie deren Abbau in der Leber verlangsamen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt (etwa Blutdrucksenker, Cholesterinsenker, Blutverdünner), sollte die Einnahme hochdosierter Polyphenol-Supplements ärztlich abklären.
- Qualität der Produkte: Falls du Polyphenol-Präparate nutzen möchtest, achte auf seriöse Hersteller, Reinheit und geprüfte Qualität. Minderqualitative Produkte können mit Pestiziden oder Schwermetallen belastet sein, wenn sie aus unseriösen Quellen stammen.
- Schwangerschaft & Co.: In sensiblen Lebensphasen wie Schwangerschaft oder Stillzeit gilt: Polyphenolreiche Lebensmittel (Obst, Gemüse, Tee in Maßen) sind unbedenklich und sogar erwünscht. Bei Nahrungsergänzung mit polyphenolhaltigen Extrakten solltest Du jedoch zurückhaltend sein oder ärztlichen Rat einholen. Die Wirkung einzelner isolierter Polyphenole (z.B. hochdosiertes Resveratrol) während der Schwangerschaft ist noch nicht gut untersucht.
Fazit: Polyphenole sind wahre Schätze der Natur
Polyphenole sind wahre Schätze aus der Natur. Die Forschung entdeckt immer mehr ihrer faszinierenden Wirkungen, die vom Zellschutz über Entzündungshemmung bis zur Unterstützung wichtiger Organe reichen. Auch wenn derzeit die Wirkung von Polyphenolen auf die menschliche Gesundheit noch eingehender untersucht werden muss, zeigen die bisherigen Ergebnisse bereits, dass wir mit einer polyphenolhaltigen Ernährung auf sanfte Weise viel für unser Wohlbefinden tun können.
Quellen
- Haroon Khan, Esra Akkol, Maria Daglia: The Role of Phytonutrients in Metabolic Disorders; 1st Edition (21.06.2022); Academic Press; ISBN: 9780128243565; eBook ISBN: 9780323859790
- Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.: Sekundäre Pflanzenstoffe: Ein Überblick (Stand: 05.09.2024); https://fet-ev.eu/sekundaere-pflanzenstoffe/
- Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.: Flavonoide: Die versteckten Helden in Obst und Gemüse (Stand: 05.09.2024); https://fet-ev.eu/flavonoide/
- Fatemeh Aghababaei, Milad Hadidi: Recent Advances in Potential Health Benefits of Quercetin; in: Pharmaceuticals (2023), https://doi.org/10.3390/ph16071020
- Boris V. Nemzer, Fadwa Al-Taher, Yakov I. Yashin, et al.: Health-Improving Effects of Polyphenols on the Human Intestinal Microbiota: A Review; in: International Journal of Molecular Sciences (2025); https://doi.org/10.3390/ijms26031335
- Youngyo Kim, Youjin Je: Flavonoid intake and mortality from cardiovascular disease and all causes: A meta-analysis of prospective cohort studies; in: Clinical Nutrition ESPEN (2017); https://doi.org/10.1016/j.clnesp.2017.03.004
- Elizabeth E. Devore, Jae Hee Kang, Francine Grodstein, et al.: Dietary intakes of berries and flavonoids in relation to cognitive decline; in: Annals of Neurology (2012); https://doi.org/10.1002/ana.23594
Rechtlicher Hinweis:
Dieser Artikel wurde von uns ausschließlich zur Information verfasst und gibt Hinweise zu unterstützenden Maßnahmen, wie sie aktuell in der Medizin diskutiert werden. In jedem Fall sollten alle Maßnahmen mit dem behandelnden Arzt bzw. Therapeuten abgesprochen werden. Ein guter Allgemein- und Ernährungsstatus kann dem Organismus helfen, Erkrankungen vorzubeugen oder diese zu überwinden. Alle zu den Stoffen getroffenen Aussagen beschreiben Eigenschaften und physiologische Wirkungen, die bei Konsumenten natürlicherweise unterschiedlich ausfallen können und stellen keine Heil- oder Gesundheitsversprechen dar.
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