Ernährungstrends versus evolutionäre Esskultur: Nicht für jedermann gesund

Aachen (fet) – Regionale Esskulturen sind das Ergebnis jahrtausendelanger Anpassung an den umgebenden Lebensraum – ein Fakt, den moderne Ernährungstrends gerne ignorieren.

Die oberste Überlebensstrategie einer jeden Spezies lautet: Passe dich deinem Lebensraum bestmöglich an. Gerade der Mensch, der sich über die Jahrtausende hinweg von den heißen Savannen Afrikas bis in die schneebedeckten Polgebiete ausbreitete, war gezwungen, sich den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Bot der sonnenreiche Süden noch ganzjährig Früchte und andere Pflanzenteile, zwangen die nördlichen Winter zum Fischfang und zur Jagd. Vegetationsarme Eisgebiete erforderten schließlich gänzlich das Umstellen auf fettreiche, tierische Kost. Unsere Vorfahren passten sich über viele Generationen an die ihnen zur Verfügung stehenden Nahrungsquellen an. Ein Umstand, der unseren Stoffwechsel bis heute stark prägt.

Wie auf vielen Gebieten denkt der moderne Mensch auch in Bezug auf gesunde Ernährung gerne global. So mancher bestaunt die zahlreichen Hundertjährigen in der japanischen Präfektur Okinawa und greift daraufhin vertrauensvoll bevorzugt zu Sojaprodukten. Andere setzen mit Blick auf die scheinbar von Herzinfarkt verschonten Eskimos auf Fisch, Fleisch und nochmals Fisch. Wieder andere lassen sich von ayurvedischen Ernährungslehren zum bewussteren Essen beflügeln. Diese sind schließlich seit Jahrtausenden erprobt – zumindest an Indern. Die gesamte Welt ist uns heute so nah, dass wir oft vergessen, dass unsere genetischen Wurzeln in Mitteleuropa liegen. Sofern unsere Groß- und Urgroßeltern bereits auf diesem Fleck Erde lebten, ist unser Stoffwechsel in erster Linie auf das mitteleuropäische Nahrungsangebot geeicht. Und das ist aufgrund der Jahreszeiten ein bunter Mix aus Gemüse, etwas Obst, Vollkorngetreide und tierischen Produkten. Wie die Klimazone, in der wir leben, ist auch die optimale Kost für uns „gemäßigt“. Das heißt: von allem in Maßen und so abwechslungsreich wie das heimische Wetter.

Statt den Blick auf der Suche nach einem eigenen Ernährungsverhalten in ferne Länder schweifen zu lassen, sollte dieser lieber zurück zu den eigenen Wurzeln gehen. Diesen direkt gleich bis in die Steinzeit zurückzurichten, ignoriert jedoch, zu was uns die Evolution in den letzten Jahrhunderten formte. Der frühe Mensch hätte wohl nie begonnen, Nutzpflanzen zu kultivieren oder seinen milchsensiblen Darm auf die Verwertung von Laktose zu trainieren, wenn es keinen Überlebensvorteil bedeutet hätte. Welcher Sinn hinter Überzeugungen steckt, seit Jahrhunderten etablierte Nahrungsmittel wie Brot und Milch pauschal zu verteufeln, bleibt fraglich. Diese können wohl kaum schuld an der sprunghaften Zunahme von Wohlstandskrankheiten in den letzten Jahrzehnten sein. Sollten wir die wahren Schuldigen nicht vielmehr in unserem mit dem Wohlstand einhergehenden Hang zur Übertreibung suchen? Wir verarbeiten Nahrungsmittel fast zu Kunstprodukten und fügen diesen Unmengen an Zucker und Stärke zu. Mahlzeiten sollen immer schneller und mit noch weniger Aufwand bereitstehen. Wir produzieren und konsumieren tierische Produkte im Übermaß? Und erscheint ein Nahrungsmittel oder ein Inhaltsstoff als gesund, reichern wir nach dem Grundsatz „viel hilft viel“ unser Essen damit an. Doch bis unser Körper an diese neuen „Umweltbedingungen“ angepasst ist, bedarf es sicherlich noch zahlreicher Generationen.

Mit freundlicher Erlaubnis übernommen aus dem FET-Mitgliedernewsletter April 2014 > Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.  www.fet-ev.eu 

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