Ernährungsbedingte Entzündungen triggern Depressionen

Depressionen avancieren zunehmend zur Volkskrankheit. Laut dem Bundesgesundheitsdienst leidet nahezu jeder Dritte im Laufe seines Lebens einmal an einer solchen psychischen Störung. Viele Mediziner und Psychologen suchen die Ursachen für diesen Trend vor allem in sozialen und wirtschaftlichen Strukturen. Dabei stellt sich die Frage, ob die psychische Belastung heute tatsächlich so viel größer sein kann, wo wir mittlerweile in einem System leben, dass jedem Bürger den Zugang zu ausreichend Lebensmitteln, zur Gesundheitsversorgung und zur sozialen Unterstützung sichert.

Erkenntnisse aus ernährungswissenschaftlichen Studien deuten zunehmend an, dass unsere derzeitige Ernährungsweise ein wesentlicher Triggerfaktor dafür ist, warum wir emotionale Probleme offensichtlich als belastender empfinden. Eine kürzlich erschienene Teilanalyse der Nurses’ Health Study kommt zu dem Schluss, dass ernährungsbedingte Entzündungsreaktionen an der Entwicklung einer Depression beteiligt sind. Mit steigendem Plasmaspiegel an Entzündungsmarkern nimmt das Risiko für das Krankheitsbild zu. Als verstärkende Entzündungsfaktoren identifizierten die Wissenschaftler vor allem gezuckerte Getränke sowie einen häufigen Konsum von Weißmehlprodukten und Fleischwaren. Im Gegenzug erwiesen sich ein mäßiger Wein- und Kaffeekonsum, grünes und gelbes Gemüse sowie die Verwendung von Olivenöl auch in diesem Zusammenhang als möglicher Schutzfaktor. Konkret vermuten die Autoren, dass vor allem Polyphenole des Weins und des Olivenöls für den Effekt verantwortlich sind (1).

Ernährungsbedingte Entzündungen könnten auch der Schlüsselpunkt in der Erklärung sein, warum sich gerade eine mediterrane Ernährung vielfach als depressionsvorbeugend erwies. Einer aktuellen Metaanalyse zufolge weisen Liebhaber der Mittelmeerkost ein 30% niedrigeres Depressionsrisiko auf – selbst wenn sie nicht in einem mediterranem Land leben. Allerdings scheinen Bewohner nördlicher Länder nur dann vom antidepressiven Potenzial zu profitieren, wenn sich ihre Ernährungsweise grundlegend an der mediterranen Art orientiert. Hin und wieder Antipasti und einen „Kreta“-Salat zu essen, scheint hierzulande wirkungslos zu sein (2).

Quellen:
1) Lucas M et al.: Inflammatory dietary pattern and risk of depression among women. Brain Behav Immun. 2013 [Abstract]
2) Psaltopoulou T et al.: Mediterranean diet, stroke, cognitive impairment, and depression: A meta-analysis. Ann Neurol: 2013 [Abstract]

Fragwürdiges „Health Claim“: EU erlaubt Werbung mit „gesundem“ Fruchtzucker

In Sachen fantasievolle Gesundheitsaussagen setzt die EU der Lebensmittelindustrie seit Anfang des Jahres deutliche Grenzen. Wer den Gesundheitswert einzelner Inhaltsstoffe auf seinen Produkten besonders hervorheben will, darf nur auf die in der Health Claims-Verordnung festgelegten Substanzen und Formulierungen zurückgreifen. Erlaubt sind nur Aussagen, deren wissenschaftlicher Gehalt von der EU geprüft wurde. Mit Blick auf die aktuell überarbeitete Liste dürfte allerdings nicht nur bei Adipositas- und Diabetesexperten folgende Frage aufkommen: Stammt die verwendete Literatur aus dem letzten Jahrhundert?

Produzenten dürfen demnach explizit auf den Gesundheitswert von Fruktose hinweisen. Wurde der Glukose- bzw. Saccharosegehalt eines Nahrungsmittels bzw. Getränks durch Austausch gegen Fruchtzucker um mindestens 30% gesenkt, darf der Hersteller die geringere Blutzuckerwirkung des Produkts bewerben. In Anbetracht der zahlreichen Erkenntnisse zur schädlichen Wirkung eines hohen Fruktosekonsums mutet dieses Werbezugeständnis wie ein schlechter Scherz an. Es ist kaum mehr von der Hand zu weisen, dass der hohe Konsum von Getränken mit High-fructose-corn-Sirup eine deutliche Mitschuld am wachsenden Übergewichtsproblem der USA hat. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass die geringe Blutzuckerwirkung zu Lasten der Lebergesundheit und der Blutfettwerte geht. Anders als bei Glukose ist die hepatische Fruktoseverwertung kaum begrenzt. Je mehr Fruchtzucker in die Leber gelangt, umso mehr wird in Fett umgewandelt und anschließend gespeichert bzw. ins Blut abgegeben. Verschiedene Studien bestätigen, dass der häufige Konsum fruktose-angereicherter Lebensmittel bzw. Getränke eine nichtalkoholische Fettleber und hohe Triglyzeridwerte begünstigen.

Bereits 2010 reagierte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) auf diese Erkenntnisse und erklärte spezielle Diabetikerprodukte für überflüssig, da der Austausch anderer Zuckerarten gegen Fruchtzucker aus diätetischen Gründen nicht mehr vertretbar sei. Warum die EU den Mythos von der „gesunden Fruchtsüße“ nun erneut aufgreift und als Werbeaussage auf Produkten erlaubt, ist mehr als fragwürdig. Ob die zahlreichen Apelle internationaler Adipositasexperten an die EU fruchten und das umstrittene Claim bald wieder von der Liste verschwindet, bleibt abzuwarten. Bis dahin heißt es für die Ernährungsberatung: verstärkt Aufklärungsarbeit leisten und Verbraucher über die zweifelhafte Werbeaussage informieren.

Quelle: Link zur aktuellen Ergänzung der Health Claims-Verordnung

Mit freundlicher Erlaubnis übernommen aus dem FET-Mitgliedernewsletter November 2013 > Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.  www.fet-ev.eu 

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