Ernährung aktuell - Bakterien wirken auf die Entstehung von Migräne

Der Verzehr von stark histamin-, tyramin- oder koffeinhaltigen Lebensmitteln wie beispielsweise Käse, geräucherte Fleischwaren, Rotwein sowie Energydrinks kann für Migräne-Patienten problematisch sein. Zahlreiche Studien zeigen einen Zusammenhang histaminvermittelter Reaktionen und der Anfallshäufigkeit sowie -stärke. Neue Studienergebnisse zeigen zudem, dass auch Nitrate als eine Art Triggerfaktor in der Entstehung einer Migräne wirken. Nitrat ist ein natürlicher Bodenbestandteil und stellt für Pflanzen eine günstige Stickstoffquelle dar. Es kommt in verschiedenen Gemüsesorten und Salaten wie Spinat, Sellerie, Rucola, Rote Bete, Rettich, Radieschen und Mangold vor. Als zugelassener Konservierungsstoff findet Nitrat insbesondere bei der Herstellung von Wurstwaren Verwendung. Darüber hinaus ist es in gefäßerweiternden Medikamenten auf Nitro-Basis enthalten, die zur Behandlung von Angina pectoris (Herzenge), Herzinfarkt oder -versagen sowie Herzinsuffizienz eingesetzt werden. Eine bekannte Nebenwirkung dieser Nitro-Präparate sind innerhalb kurzer Zeit (etwa 1 Stunde) einsetzende Kopfschmerzen, die infolge der Stickstoffmonoxid-vermittelten rasch einsetzenden Gefäßerweiterung ausgelöst werden. Nitrate aus der Nahrung werden beim Menschen - anders als bei Pflanzen - nicht enzymatisch abgebaut, sondern von speziellen Bakterien in der Mundhöhle (und dem Darm) in Nitrite umgewandelt. Auch hier werden Stickstoffmonoxide (NO) freigesetzt, die ab einer bestimmten Konzentration zu Kopfschmerzen führen. Sie setzen häufig erst 3 bis 6 Stunden nach der Nitrataufnahme ein und werden deshalb in der Literatur als verzögerte Migräne bezeichnet. Die Beschwerden entstehen scheinbar durch die Freisetzung des Calcitonin-Gen-verwandtem Peptids (CGRP), von Glutamat und cyclischem GMP (cGMP) oder der NO-abhängigen S-Nitrosylierung-vermittelten Änderungen der Ionenkanalfunktion.

Wie ein amerikanisches Forscherteam der University of California und und der University of Chicago feststellte, kommen diese fakultativen, anaeroben Bakterien in der Mundflora von Migräne-Patienten vermehrt vor. Zu diesem Schluss kamen die Wissenschaftler um Antonio Gonzalez nachdem sie das Vorkommen dieser Bakterien in etwa 170 Speichel- und knapp 2.000 Stuhlproben analysierten. Vorab wurden die Studienteilnehmer befragt, ob sie unter Migräne litten. Zwar lieferten die Stuhlproben keine nennenswerten Unterschiede, dafür wiesen die Forscher in den Abstrichen der Mundschleimhaut von Probanden mit Migränebeschwerden deutlich mehr bakterielle Gene für den Abbau von Nitraten, Nitriten und Stickoxiden nach.

Die Forscher gehen davon aus, dass infolge des vermehrten Vorkommens nitratreduzierender Bakterien bei Migräne-Betroffenen mehr NO freigesetzt wird und es deshalb zu den migräne- typischen Beschwerden wie pulsierenden Kopfschmerzen kommt. Ob es sich bei der Beobachtung um einen Zufall handelt oder dies tatsächlich die verstärkte Reaktion auf nitratreiche Lebensmittel erklärt, muss in weiteren Studien untersucht werden. Betroffenen hilft diese Entdeckung zumindest vorerst nicht. Sie sollten weiterhin auf bekannte Triggerfaktoren wie Nahrungsbestandteile (Nitrat, Histamin, Tyramin, Koffein) und Lebensstilfaktoren (Stress) achten und diese je nach Schwere der Unverträglichkeit meiden. Magnesium und entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren können zudem helfen, die Beschwerden zu lindern.

* Mit freundlicher Erlaubnis übernommen aus dem FET- Mitgliedernewsletter 
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